Rahmenbedingungen sind besser
28. Juli 2010
Tokio (JAPANMARKT) - Das frisch verstärkte Repräsentanzbüro des Bundeslandes Bayern in Tokio will nicht nur japanische Firmen nach Bayern locken. Büroleiter Christian Geltinger unterstützt auch bayerische Firmen, auf dem japanischen Markt Fuß zu fassen. Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews, warum Japan aus bayerischer Firmensicht nicht übersehen werden sollte. Vorher war Geltinger in Shanghai stationiert.
JAPANMARKT: Wie schwer ist es, bayerische Firmen zu überzeugen, eher nach Japan als nach China zu gehen? – Sie kommen ja gerade aus China.
Geltinger: Die bayerische Wirtschaft ist schon sehr exportorientiert, viele Unternehmen sind in der Lage, weltweit auf dem Markt zu bestehen. Japan ist ein sehr anspruchsvoller Markt, in vielen Bereichen muss man seine Nische finden.
Der Markt wird meist von einheimischen Firmen dominiert. Aber wenn Kundenbeziehungen bestehen und ein Produkt in den japanischen Markt passt, dann ist das eine gute Basis.
Auch in China tun sich viele Firmen sehr schwer, dort findet sich auch nicht immer der erhoffte Massenmarkt. Da sind die Rahmenbedingungen in Japan besser. Die Investitionen im Sinne von Zeit, Management und Kapital und auch die Vorbereitungszeit sind vergleichbar hoch.
JAPANMARKT: Fehlt da die Bayerische Landesbank in Japan, die es früher einmal gab?
Geltinger: Das ist kein Problem, es gibt viele Quellen, ein Geschäft in Japan zu finanzieren.
JAPANMARKT: Der teure Yen – der schwache Euro – ist das ein Argument für oder gegen Japan?
Geltinger: Es ist für viele Unternehmen ein schwer kalkulierbares Element. Der schwache Euro tut dem Export gut, aber wenn sich jetzt jemand für Japan entscheidet, rutscht er bei seiner Ankunft vielleicht in den nächsten Zyklus rein. Der schwache Euro schafft aber einen Anreiz, sich stärker Exportanteile zu sichern.
JAPANMARKT: Welche Besonderheiten erwarten bayerische Unternehmer in Japan?
Geltinger: Japan ist im Gegensatz zu Bayern eine Insel bzw. Inselgruppe, auch wenn wir Bayern gerne als Insel der Glückseligen sehen. Die geographische und vor allem die politisch gewollte jahrhundertelange Isolation vom Rest der Welt prägen viele Verhaltensweisen und Gepflogenheiten noch heute. Kaum eine Bevölkerung ist so homogen geblieben wie die Japanische.
Dadurch hat sich ein ganz eigenes Anspruchsdenken an Produktdesign und After-Sales Service herausgebildet, verbunden mit höchstmöglicher Qualität und schnellen Innovationszyklen. Dies sind wichtige Faktoren, die über den Erfolg eines Produkts in der immer noch zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entscheiden.
JAPANMARKT: Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe?
Geltinger: Als Repräsentanzbüro des Freistaats Bayern in der Weltmetropole Tokio verstehen wir uns als Bindeglied und Brücke zwischen den Welten. Wir können für bayerische Unternehmer und Organisationen Türen öffnen bzw. offen halten und so manche Sprachbarriere überwinden helfen.
JAPANMARKT: Gibt es Ihrer Ansicht nach eine besondere bayerische Mentalität?
Geltinger: An erster Stelle das verbindende, bodenständige und selbstbewusste „mia san mia“ Gefühl. Es färbt auch ab auf diejenigen, die sich mit Bayern identifizieren. Wenn Sie bayerngereiste Japaner „wia samma?“ fragen, können Sie schon mal ein „guad samma“ zu hören bekommen. Nahezu gleichauf sehe ich das „Leben und leben lassen“, das auch in Japan sehr ausgeprägt ist.
JAPANMARKT: Wie bayerisch müssen Sie selbst sein? Ich höre gar keine bayerische Dialektfärbung.
Geltinger: Boarisch redn deaf scho sei wenns basst. Aber mit Deutsch als quasi erster Fremdsprache kommt man gerade im Ausland auch gut zurecht.
JAPANMARKT: Müssen Sie DIE bayerische Automarke fahren?
Geltinger: Ich habe bisher keinen Dienstwagen, in China bin ich die andere bayerische Marke gefahren. Mir würde aber ein e-Mini gut gefallen, den finde ich für Japan passend.
Lesen Sie auch den ersten Teil des Interviews über die Ansiedelung von japanischen Firmen in Bayern.
Foto: Oktoberfest in Hibiya im Mai 2010 (flickr/hirata), Foto Mitte: Dr. Christian Geltinger (privat)






[...] Sie im zweiten Teil unseres Interviews, warum mehr bayerische Firmen nach Japan kommen [...]