Berlin will Standard für Elektroautos

18. Februar 2010  

Tokio (JAPANMARKT) – Deutschland drängt Japan zu einheitlichen Standards für Elektroautos. Ansonsten würden beide Länder von China überholt, warnte Unionsfraktionschef Volker Kauder zum Abschluss seiner Japanreise. „Wir müssen ein Interesse haben, dass die führenden Autohersteller auch in Zukunft aus Japan und Deutschland kommen“, sagte Kauder.

Bei den Standards für Elektroautos gehe es nicht nur um einen einheitlichen Stecker, sondern um sämtliche Zulassungsfragen, damit Elektroautos egal aus welchem Land überall fahren können.

Für Deutschland sei eine solche Absprache wichtig, damit nicht die großen Batteriehersteller aus Japan und Korea den Standard selbständig festlegen, betonte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Tokio: „Bei Digitalkameras konnten wir nicht mehr mitreden, in der Automobilindustrie darf uns das nicht passieren.“ In der Batterietechnik sei Japan bereits einen Schritt weiter als Deutschland.

Ein Leasing-System für die Batterien, wie es Nissan für sein erstes Elektroauto Leaf angekündigt hat, lehne die deutsche Automobilindustrie ab, berichtete Kauder. „Das Leasing-Modell ist für die Industrie wie Spitzgras, das frisst die Kuh nicht.“ Das Leasing bzw. der Austausch von Batterien als schnelle “Betankung” würden nämlich dazu führen, dass die Batterielieferanten zu den Herren der Autoindustrie aufsteigen.

Daneben war ein mögliches Handelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union ein Schwerpunkt bei den Wirtschaftsthemen.

Beide Seiten haben kürzlich ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Knackpunkte eines Freihandelsvertrages zu finden. Die japanische Regierung möchte zurzeit offenbar nur Standardfragen verhandeln, während es auf der EU-Seite bzw. bei der europäischen Automobilindustrie Bedenken gegen eine Zollsenkung für japanische Autos und andere Waren gibt.

„Eine Öffnung der Märkte bringt Vorteile für beide Seiten“, betonte dagegen Kauder in Tokio. Deutschland unterstütze das geplante Abkommen. Es werde aber kein einfacher Spaziergang zu einem Handelsabkommen mit der EU werden.

Insgesamt könne er nach seiner Reise sagen: “Ich bin Freund Japans geworden.”

Gemeinsam mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Andreas Schockenhoff und dem entwicklungspolitischen Sprecher Holger Haibach war Kauder seit Samstag in Japan.

Neben Premierminister Yukio Hatoyama hatte der Fraktionsvorsitzende auch Außenminister Katsuya Okada und Wirtschaftsminister Makayuki Naoshima sowie zahlreiche Mitglieder des japanischen Parlaments getroffen. Auch mit Vertretern deutscher Unternehmen und der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan tauschte er sich über Fragen des Markteinstiegs in Japan und der demographischen Entwicklung aus.

Foto: Abgeordnetenbüro Volker Kauder / Copyright: Werner Schuering

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