Bayern wirbt mit kurzen Wegen

27. Juli 2010  

Tokio (JAPANMARKT) - Trotz Exportboom Richtung Asien bleiben Deutschland und Europa als Standorte für japanische Firmen interessant. Das Bundesland Bayern hat deshalb sein Repräsentanzbüro in Tokio seit dem Frühjahr wieder mit einem waschechten Bayern besetzt. Christian Geltinger ist aus China nach Japan gekommen, um für Bayern als Investitionsstandort zu werben. Im Interview mit dem JAPANMARKT verrät er seine Strategien.

JAPANMARKT: Womit überzeugen Sie japanische Firmen, in Bayern zu investieren oder dort einen Standort aufzubauen?

Geltinger: Von Bayern aus kann man den ganzen europaeischen Markt bearbeiten, wir sind vor allem sehr nah dran an Mittel- und Osteuropa. In der Logistik bedeutet dies kurze Wege. Außerdem muss man Bayern als einen Markt sehen, wo man Partnerschaften schließen und Kunden finden kann.

In Bayern findet eine Firma alles zum erfolgreich sein außer einen Strand am Meer. Daher empfehlen wir ersatzweise immer einen Ausflug an einen der zahlreichen bayerischen Seen, teilweise ja mit Trinkwasserqualität.

JAPANMARKT: Welche japanischen Firmen haben Bayern denn schon entdeckt?

Geltinger: Zum Beispiel hat NTT Docomo in München sein Europaeisches F&E Zentrum mit der  TU München und der Bundeswehrhochschule für Fernmeldetechnik als Forschungspartner. . Der Großraum München hat eine hervorragende Infrastruktur.

Eine Umfrage unter den ueber 250 japanischen Unternehmen in Bayern hat dieses Jahr ergeben, dass 60 Prozent ihr Engagement konstant halten und 39 Prozent es ausweiten wollen. Am meisten werden die zentrale Lage in Europa, die herausragende Infrastruktur, die Nähe zu Kunden und Geschäftspartnern sowie der hohe Freizeit- und Kulturwert geschätzt.

JAPANMARKT: Kommt es zu einer gegenseitigen Befruchtung von bayerischen und japanischen Firmen?

Geltinger: Unsere Netzwerke sind offen für internationale Beteiligungen. Wir legen den Firmen nahe, Kontakte zu knüpfen. Die bayerischen Firmen sollen die Japaner nicht nur als Wettbewerber, sondern auch Kooperationspartner und eventuell sogar als Einstiegshilfe in den japanischen Markt betrachten.

JAPANMARKT: Der Export nach Asien war für viele japanische Unternehmen in der Rezession ein wichtiger Stützpfeiler. Ist das schwierig, den Blick auf Europa zu lenken?

Geltinger: Natürlich wird der Nachbarmarkt Asien und Pazifik für Japan an Bedeutung gewinnen. Aber dieses Wachstum versetzt die Firmen auch in die Lage, in Europa stärker zu investieren, etwa im Bereich der wissenschaftlichen Kooperation sowie Forschung und Entwicklung und durchaus auch in der Produktion. Das hat ja an Attraktivität gewonnen: Deutschland ist nicht nur Vertriebs-, sondern Produktionsstandort.

JAPANMARKT: Welche Rolle spielt der starke Yen für die Entscheidung der japanischen Firmen?

Geltinger: Wenn in einem Land die Konjunktur anzieht, sehen wir mehr Investitionstätigkeit. Die langfristigen Überlegungen kann man aber nicht an den Wechselkurs binden. Das ist eine strategische Entscheidung. Dann kommt die Frage, wohin geht man. Da hat Deutschland in vielen Branchen eine dominierende Position, das versuchen wir zu nutzen.

JAPANMARKT: Was bieten Sie in Bayern an Extra-Leistungen – die Schweiz wirbt z.B. mit niedrigen Steuern für Hauptquartiere?

Geltinger: Aus unserer Erfahrung sind bestehende Kontakte und Verbindungen viel wichtiger als ein paar steuerliche Prozentpunkte oder ein Zehntel Ersparnis bei den Arbeitskosten. Da kann man durchaus punkten. Wir haben gerade im Großraum München eine gute Infrastruktur für japanische Unternehmen.

Es ist alles da, was sie außerhalb ihrer Firma schätzen, direkte Verbindungen zwischen München und Narita, ab Juli jetzt auch mit ANA, zusammen mit Lufthansa, das ist sehr komfortabel. Es gibt eine japanische Schule, Kindergärten, eine gewachsene Community, ein sehr kooperatives japanisches Generalkonsulat und Sushi-Restaurants. Es lässt sich gut leben für Japaner.

JAPANMARKT: Da konkurrieren Sie natürlich mit Düsseldorf!

Geltinger: Wir sehen seit einigen Jahren einen positiven Trend, dass vor allem Technologie- und forschungsorientierte Unternehmen jetzt nicht die Standortentscheidung von einem Sushi-Restaurant mehr oder weniger abhängig machen.

Es geht darum, bin ich in der Nähe einer wichtigen Forschungseinrichtung oder eines wichtigen Unternehmens und da können wir natürlich ganz zuversichtlich sein, die Metropolregionen München und Nürnberg sind so breit aufgestellt, dass wir in allen Branchen gute Partner anbieten können.

Mehr Informationen auf dieser Webseite auf Deutsch und Japanisch.

Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews, warum mehr bayerische Firmen nach Japan kommen sollten.

Foto oben: Neuschwanstein (flickr/ralphh) Foto Mitte: Dr. Christian Geltinger (privat)

Kommentare

Ein Kommentar zu “Bayern wirbt mit kurzen Wegen”

  1. Japan hat bessere Rahmenbedingungen : JAPANMARKT am 27. Juli 2010

    [...] Sie auch den ersten Teil des Interviews über die Ansiedelung von japanischen Firmen in [...]

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