Nicht nur auf Englisch achten
25. Februar 2010
Tokio (JAPANMARKT) – Die Suche nach japanischen Mitarbeitern ist für ausländische Firmen nicht einfach: Denn nicht jeder Japaner, der sich für einen solchen Job interessiert, ist dafür gut geeignet. JAPANMARKT sprach darüber mit Martin Stricker, Präsident der Executive Search Firma GAIPRO.
Worin besteht die Herausforderung für ausländische Firmen, wenn sie japanische Mitarbeiter suchen?
Es gibt sehr viele Firmen, die erfolgreich mit Japanern arbeiten. Aber es ist nicht einfach, sie zu finden, und es ist nicht einfach, sie zu motivieren. Japaner arbeiten lieber für große inländische Unternehmen. Aber wenn ein ausländisches kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) in einem Markt eine starke Position hat, hilft dies, qualifizierte Leute anzulocken.
Aus welchen Gründen wollen Japaner für eine ausländische Firma arbeiten?
Einmal rechnen sie mit einer besseren Bezahlung. Der Unterschied macht sich beim Grundgehalt und beim Bonus bemerkbar. 10 bis 15 Prozent Unterschied sind möglich. Aber wenn das der einzige Grund für eine Bewerbung bei einer ausländischen Firma ist, dann wird diese Person bald wieder wechseln. Ein anderer Anreiz ist, dass man in einer ausländischen Firma schneller in eine bessere Position gelangen kann.
Was für Probleme haben KMUs bei der Kandidatensuche?
Man muss aufpassen, dass man nicht die falschen Leute anstellt. Wenn jemand sich sehr gut auf Englisch präsentieren kann, dann kommt das bei den Interviews sehr gut an. Vielleicht hat der Kandidat in den USA studiert und einen MBA. Aber das heißt nicht, dass er den Markt gut versteht. Die Englischkenntnisse allein genügen nicht.
Fällt allen Japanern der Wechsel von einem japanischen Großkonzern in ein ausländisches KMU leicht?
Die japanischen Firmen sind sicher gut darin, Generalisten auszubilden. Ihre Mitarbeiter werden alle drei, vier Jahre rotiert. Aber der kritische Punkt ist: Wenn jemand 20 Jahre bei einem Konzern war – kann diese Person sich auch in einer kleinen Firma behaupten – ohne das gewohnte Backup? Manchmal verliert jemand nach dem Wechsel daher das Selbstvertrauen. Gewisse Anstellungen funktionieren dann nicht.
Wie wichtig sind die Englischkenntnisse?
Im Tagesgeschäft bei der Kommunikation mit der Zentrale spielen die Englischkenntnisse eine große Rolle. Wenn die europäische und die japanische Seite beide nicht gut Englisch können, kann das eine Telefonkonferenz schwierig machen. Eine Firma hat mir gesagt, dabei geht so viel Zeit verloren, deshalb stellen sie nur noch Leute mit sehr guten Englischkenntnissen an. Aber gerade unter Technikern, wenn man die Produktbezeichnungen durchgibt, geht es auch mit weniger Sprachkenntnissen.
Wie notwendig sind Vorerfahrungen mit ausländischen Firmen?
Manche Firma möchte einen Japaner, der sowohl in einer japanischen und einer ausländischen Firma gearbeitet hat. Es gibt aber auch Fälle, wo diese Manager vier, fünf, sechs Mal gewechselt haben. Da muss man sich schon fragen, was waren die Bewegründe dazu. Jeder hat mal einen Ausrutscher, ein Arbeitgeber war vielleicht finanziell nicht gut dran. Aber zu viele Wechsel sind ein Warnzeichen.
Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie hier.
Martin Stricker ist Präsident der Executive Search Firma Gaipro. Seine Kontaktdaten finden Sie hier.
Foto oben: Japanmarkt (alle Rechte vorbehalten) / Foto unten: Copyright Gaipro






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