Toyota-Krise wurzelt in Firmenkultur

25. Februar 2010  

Tokio (JAPANMARKT) – Toyota repräsentiert die Japan AG wie kein anderes Unternehmen. Der schlampige Umgang mit „ungewollten Beschleunigungen“ durch Toyota hat dem guten Ruf von Produkten mit dem Stempel „Made in Japan“ daher geschadet. Tatsächlich wurzelt das Versagen von Japans wichtigstem Konzern tief in der hiesigen Firmenkultur, meint Martin Fritz.

Man kann die Bedeutung von Toyota für die japanische Geschäftspsyche gar nicht hoch genug bewerten. Dieses Unternehmen ist der Grund für den vielleicht letzten Stolz, der Japan nach zwei Jahrzehnten der Stagnation geblieben ist.

Bei Marktwert, Umsatz und Gewinn war Toyota in Nippon lange Zeit die Nummer 1. Mit ihrer schlanken Fertigung und dem hohem Qualitätsanspruch prägte die Firma über Jahrzehnte das globale Bild von der japanischen Produktion und ihren hochwertigen Waren.

Der „Toyota-Weg“, die ständige Verbesserung (Kaizen), die Vermeidung von Verschwendung (Muda) und die Untersuchung eines Problems vor Ort (Genchi Genbutsu) sind zu Standardvokabeln im globalen Management geworden.

Jetzt hat sich diese Ikone der Japan AG in kürzester Zeit selbst demontiert.

Firmenchef Akio Toyoda räumte am Mittwoch vor dem US-Kongress ein, Toyota sei zu schnell gewachsen und habe dabei Sicherheit und Qualität aus den Augen verloren.

Doch eine wichtige Quelle für das Versagen hat Toyoda nicht genannt: Die japanische Firmenkultur ist eine ideale Brutstätte für Missmanagement.

Ein rigides System von Hierachie und Seniorität verhindert, dass schlechte Nachrichten auf der Befehlskette nach oben die Führungsebene erreichen.

Wer ein Problem offen anspricht oder gar nach außen trägt, stört die Harmonie und torpediert die vorgeschriebene Konsensfindung.

Viele Firmen werden von Familien geführt oder kontrolliert, die kaum Widerspruch dulden und ertragen.

Die Chefetage von Toyota besteht aus 29 japanischen Männern, die alle innerhalb des Konzerns Karriere gemacht haben – typisch für ein japanisches Unternehmen.

Diese Manager-Inzucht muss irgendwann Missgeburten erzeugen, weil sie mutige Kritik und schnelles Umdenken verhindert.

Seit Jahren wehrt sich die japanische Wirtschaftselite dagegen, dass in den Aufsichtsräten auch Direktoren von außerhalb sitzen.

Ihre Rechtfertigung, die Firmen würden auch ohne externe Aufsicht alles richtig machen, gilt nun nicht mehr.

Toyota und die übrige Japan AG sollten daher jetzt nicht nur wieder mehr auf die Qualität ihrer Waren achten, wie es Toyoda in Washington versprochen hat.

Ebenso dringend müssten sie die Qualität ihrer Corporate Governance und ihre internen Strukturen verbessern.

Foto: Japanmarkt (alle Rechte vorbehalten)

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