Japans Industrie droht zu scheitern
3. Februar 2010
Tokio (JAPANMARKT) – Japanische Unternehmen verlieren ihre globale Wettbewerbsfähigkeit, heißt es in einer neuen Japan-Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Der Heimatmarkt sei gesättigt, Wachstum durch Akquisitionen nötig. Doch die Manager würden sich nicht darauf konzentrieren, höhere Gewinne zu erzielen, so die Studie, sondern ein ganz anderes Ziel verfolgen.
“Die japanische Industrie muss sich konsolidieren oder sie wird scheitern”, fasst Martin Tonko, Principal von Roland Berger in Tokio, die aktuelle Herausforderung zusammen. Umsätze und Ergebniswachstumsraten japanischer Unternehmen, abgesehen von einigen Spitzenkonzernen, fallen gegenüber den Unternehmen aus den USA und der EU zurück.
Danach gibt es nur wenige japanische Unternehmen mit überdurchschnittlichem Gewinnwachstum (9 % gegenüber 22 % in den USA und 28 % in Europa). Viele japanische Industriezweige haben ihre Branchenstruktur trotz historisch hoher Schuldenberge beibehalten. “So sind schwache Unternehmen, die normalerweise längst vom Markt verdrängt worden wären, immer noch aktiv”, sagt Tonko.
Japanische Manager hätten weniger den Firmenwert im Blick und würden sich mehr auf die Schaffung von Arbeitsplätzen konzentrieren. Geringe Gewinne werden häufig nicht als Problem gesehen. Doch der heimische Markt ist gesättigt und schrumpft. Die Effizienz könne nur durch Übernahmen und Zukäufe steigen.
Maschinenbau, Baugewerbe, Hotel- und Gaststättengewerbe, Nahrungsmittel- und Chemieindustrie sind Branchen mit geringerer Konsolidierung. In der Brauerei-, Telekommunikations-, Automobilbranche und dem Seetransport hat die Konsolidierung zugelegt.
“Marktkonsolidierung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sollten immer parallel verfolgt werden”, so Tonko.
Doch dies sei eine große Herausforderung: Die tatsächliche Erfolgsrate bei Fusionen liegt laut der Roland-Berger-Studie unter 50 %. Mehr als die Hälfte der fusionierten Unternehmen weist nach der Übernahme eine geringere Rentabilität auf.
Es gibt zwei Hauptgründe für ein Scheitern - das Fehlen einer konsequenten Strategie und Missmanagement bei der Integration.
“In der Vergangenheit wurde mehrfach Übernahmen zugestimmt, um die Insolvenz des aufgekauften Unternehmens abzuwenden“, sagt Tonko. Es sei nicht darum gegangen, eine Strategie des Käufers umzusetzen.
„Integrationsmanagement wird häufig als ein rein bilanztechnischer Zusammenschluss verstanden. Somit werden operative Synergien nicht genutzt“, kritisiert der Berger-Berater die japanische Strategie.
Die komplette Studie steht kostenfrei im Internet unter:
http://www.rolandberger.com/media/pdf/Roland_Berger_Industry_Review_Japan_20100202.pdf
Foto: flickr / JanneM






Der Autor zitiert, anscheinend etwas verächtlich, “Japanische Manager hätten weniger den Firmenwert im Blick und würden sich mehr auf die Schaffung von Arbeitsplätzen konzentrieren. ”
Diesen Autoren und allen Gleichgesinnten sei dringend der Blick ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland empfohlen, Absatz 14 (2): “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.”
In Japan lebend erfahre ich tagtäglich, wie gut eine Gesellschaft funktionieren kann, in der nicht der Eigennutz im Vordergrund steht, sondern das gedeihliche Miteinander. Bei all den hinlänglich bekannten Schwächen und Nachteilen dieser Gesellschaft bringt sie Wohlstand für breite Gesellschaftsschichten, eine für deutsche Verhältnisse niedrige Arbeitslosenrate und eine niedrigere Krimnalitätsrate mit sich. Das mit geringerer Rendite für die Shareholder und geringeren Bonuszahlungen für Manager zu erkaufen ist es alle Mal Wert!
Von Japan zu lernen anstatt diesem Land auch noch die anglo-amerikanischen Wirtschaftsspielregeln aufzuzwingen - das wäre eine interessante Studie.