Bierbrauer tauschen Chefs aus

12. Februar 2010  

Tokio (JAPANMARKT) - Für Japans Brauindustrie geht eine aufregende Woche zuende. Zunächst ließen Kirin und Suntory ihre Megafusion platzen, dann kündigte Kirin einen Wechsel an der Firmenspitze an. Auch Konkurrent Asahi, zuletzt nur noch Japans zweitgrößter Bierbrauer, will sein Management austauschen.

Nach monatelangen Verhandlungen brachen Kirin und Suntory ihre Fusionsgespräche erfolglos ab. Man habe sich nicht auf einen Kaufpreis einigen können, gab Kirin-Chef Kazuyasu Kato als wichtigsten Grund an. Um eine Sperrminorität zu erlangen, hatte Suntory einen Aktientausch im Verhältnis 1 zu 1 gefordert. Kirin war aber nur bereit, maximal 0,75 pro Aktie zu bieten. Außerdem traten Unterschiede in der Firmenkultur zutage: Kirin ist ein börsennotiertes Unternehmen, der 1899 gegründete Suntory-Konzern dagegen weitgehend in Familienbesitz.

Eine Fusion der beiden Brauereien hätte den größten japanischen Bier- und Getränkekonzern geschaffen. International hätte die Firma in einer Liga mit Coca-Cola und dem weltgrößten Bierkonzern Anheuser-Busch Inbev gespielt.

Aufgrund eines stagnierenden japanischen Marktes setzen Japans Getränkeunternehmen alles daran, in Übersee zu expandieren und suchen dafür nach strategischen Allianzen und Übernahmekandidaten. Suntory hatte im Herbst die französische Limonade-Marke Orangina übernommen. Kirin konnte sich zwei Unternehmen in Australien und den philippinischen Marktführer San Miguel einverleiben. Durch diese Zukäufe steigerte Kirin den Anteil des Auslandsgeschäft am Firmenumsatz innerhalb von drei Jahren von 18 auf 26 Prozent. Bis 2015 will Japans Marktführer 30 Prozent seines Geschäfts in Übersee generieren.

Der Kopf hinter dieser aggressiven Expansionsstrategie war bisher Kirin-Chef Kato. Nach der gescheiterten Suntory-Übernahme zieht sich der 65-Jährige nun auf den Posten des Chairman zurück. Als CEO von Kirin Holdings folgt ihm ab Ende März Senji Miyake. Der Keio-Absolvent arbeitet seit 1970 für Kirin. Zuletzt hatte er es als Chef von Kirin Brewery geschafft, den Rivalen Asahi beim heimischen Bier-Umsatz zum ersten Mal seit neun Jahren zu überholen. Ob der 62-Jährige aber der richtige Mann ist, um die Globalisierung des Geschäfts erfolgreich voranzutreiben, bleibt abzuwarten. Im Gegensatz zu Kato, der früher Kirin USA leitete, hat Miyake keinerlei Auslandserfahrung.

Auch Konkurrent Asahi plant zum Ende des Fiskaljahres einen Wechsel an der Spitze. Als neuer CEO wurde Naoki Izumiya auserkoren. Der 61-Jährige gilt als Vertriebsexperte und soll den zuletzt schwachen Umsätzen auf dem Heimatmarkt neues Leben einhauchen. Ähnlich wie Miyake bei Kirin ist auch Izumiya ein Eigengewächs. Er begann seine Karriere bei Asahi direkt nach dem Uniabschluss 1972.

Unter dem bisherigen Chef Hitoshi Ogita hatte der Bierbrauer im Dezember neue Unternehmensziele für die nächsten fünf Jahre bekannt gegeben. Nach der “Long-term Vision 2015” will Asahi den Umsatz von derzeit 1,5 Billionen Yen auf zwei bis 2,5 Billionen Yen steigern und zu einem der weltweit größten Lebensmittel- und Getränkekonzerne aufsteigen.

Foto: Kirin

Kommentare

Bitte schreiben Sie hier Ihren Kommentar...
Hier gibt es mehr Informationen, falls Sie ein Profilbild mit ihrem Kommentar anzeigen möchten gravatar!