Abgeschottete Firmen öffnen sich
29. Juli 2010
Tokio (JAPANMARKT) – Die Inzucht von Managern in Japans Firmen bremst Entscheidungen und verlangsamt die Anpassung an den Markt. Nun beginnen die ersten Unternehmen damit, ihre abgeschotteten Vorstandsetagen zu öffnen. Der Autozulieferer U-Shin suchte per Zeitungsanzeige einen neuen Chef – und bei Seiko kam es zu einer offenen Revolte im Aufsichtsrat.
Schon länger gelten die Geschlossenheit und Geheimnistuerei an der Spitze von japanischen Unternehmen als hinderlich für eine erfolgreiche Globalisierung. Wenn Manager wie auf einer Leiter nach oben rücken und alle Entscheidungen auf Konsens basieren, entsteht eine Kultur der Risikovermeidung, die sich gegen Einflüsse von außen abschottet. Nur wenn die Krise zu groß wird (Nissan, Sony), wird Hilfe von außen geholt, um die Firmenkultur zu modernisieren.
Japanische Unternehmen können ihr Spitzenpersonal nicht schnell auffrischen, weil niemand von außerhalb Positionen weiter oben in der Hierarchie erhält. Auf Marktveränderungen reagieren sie oft gar nicht, in dem sie einfach an ihrem langfristigen Geschäftsplan festhalten – oder sie reagieren nicht schnell genug. In beiden Fällen droht der Verlust von Marktanteilen.
Auch bei den Firmen wächst inzwischen die Einsicht, dass diese traditionellen Praktiken im globalen Wettbewerb ein Nachteil sein können. Der Auto-Zulieferer U-Shin sucht deshalb jetzt einen Präsidenten, der eben kein Eigengewächs sein soll. Der neue Direktor soll Japans Kultur verstehen und den Platz der Firma auf dem Weltmarkt kennen.
In Frage kommen ein Ausländer oder ein japanischer Manager mit Auslandserfahrung. An Gehalt werden 35 Millionen Yen geboten. Die Stellenanzeige in den Zeitungen Nihon Keizai und Yomiuri am 25. Juli wurde allerdings auf Japanisch geschaltet.
Auch bei Seiko Holding gab es einen Bruch mit der alten verschwiegenen Entscheidungskultur. Shinji Hattori von der 4. Generation der Gründerfamilie legte sich mit dem Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrates und Enkel des Seiko-Gründers, Reijiro Hattori, an.
Der alte Hattori hatte in Absprache mit einer Spitzenmanagerin und mit Hilfe von Präsident Koichi Murano andere Manager kaltstellen oder absetzen lassen, ohne seinen Einfluss deutlich zu machen.
Nach einer Untersuchung durch Anwälte von außerhalb wurde Murano bei einer Aufsichtsratssitzung entmachtet und durch den jungen Hattori abgelöst. Die intrigante Managerin wurde entlassen. Der alte Hattori bleibt Ehren-Präsident, verlor aber seinen Posten beim Retail-Arm von Seiko.
Als Lehre aus diesem Vorfall holt Seiko jetzt einen zusätzlichen Direktor von außerhalb in den Aufsichtsrat und unterstreicht damit den Trend in den Firmen, dass Nicht-Firmen-Mitglieder in die Aufsichtsräte einziehen.
Foto: flickr/su.bo






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