Mieten statt kaufen, selbst Unterwäsche

17. Februar 2010  

Tokio (JAPANMARKT) – Die Sparwut der japanischen Verbraucher treibt neue Blüten. Als Folge von Gehaltskürzungen und Angst vor Arbeitslosigkeit entscheiden sich immer mehr Konsumenten fürs Mieten statt Kaufen - selbst bei Unterwäsche und Handtaschen.

Der Unterwäsche-Fabrikant Embelline Marketing vermietet seine Waren jetzt erstmals über das Internet. Der Hersteller ist spezialisiert auf Lingerie für Hochzeitskleider und zur Figurverbesserung.

Ein Büstenhalter kostet im ersten Monat 3 900 Yen Mietgebühren und jeweils 500 Yen für die nächsten vierzehn Monate. Der Mietvertrag kann aber schon zum Ende des vierten Monats gekündigt werden. Die Mietgebühr von insgesamt 10 900 Yen liegt rund 2 000 Yen unter dem Ladenverkaufspreis. Falls sich die BH-Größe ändert, ist auch ein Umtausch möglich.

Auch Designer-Handtaschen, ein wichtiges Statussymbol für japanische Frauen, lassen sich inzwischen mieten. Bei  dem Online-Verleih „Orb“ können die Frauen eine Handtasche aus 400 Modellen wählen – bei einer Wochenmiete ab 1 800 Yen. Besonders attraktiv: Während der Mietzeit dürfen die Kundinnen die Tasche mehrmals wechseln. Einen ähnlichen Service bietet Cariru an.

Eine regelrechte Explosion erleben auch Fahrradvermieter an Bahnhöfen. Immer mehr Japaner steigen aus Kostengründen vom Auto auf die Bahn um und leihen sich für die Strecke vom Bahnhof zu ihrem Arbeitsplatz ein Fahrrad aus. Bei einem Geschäft in Osaka ist die monatliche Fahrradmiete niedriger als die Gebühren für das Parken des eigenen Fahrrads am Bahnhof. In Tokio profitieren auch Touristen von solchen Angeboten.

Der Trend zum Mieten trägt allerdings auch zu Umsatzverlusten vieler Hersteller sowie zur Deflation bei.

Fotos: Embelline / Orb

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