Sumos Enfant Terrible sagt Sayonara

5. Februar 2010  

Tokio (JAPANMARKT) – Am Ende ist der wohl talentierteste Sumo-Ringer des letzten Jahrzehnts doch ein Opfer seines Temperaments geworden.

Der Mongole Asashoryu, mit bürgerlichem Namen Dolgursuren Dagvadorj, hat seinen Rücktritt vom Sumo-Sport erklärt, weil der Yokozuna-Rat ihn für einen Zwischenfall am Rande des Neujahrturniers bestrafen wollte.

Dabei hatte der 150 Kilogramm schwere Asashoryu nach einer Kneipentour in betrunkenem Zustand einen Bekannten zusammengeschlagen. Er soll eine gebrochene Nase und eine aufgeplatzte Lippe davongetragen haben.

Tränen füllten die Augen von Asashoryu, als er sich bei der Pressekonferenz (siehe Video) daran erinnerte, wie er unter den Augen seiner Eltern den damaligen Yokozuna Musashimaru besiegt hatte.

Sportliches Talent hatte Asashoryu satt: Nach nur vier Jahren im Ring bzw. nur 25 Turnieren wurde Asashoryu so schnell wie kein anderer Ringer zu Japans Sumo-Kämpfer Nummer Eins im Range eines Yokozuna ernannt. 2005 gelang es ihm als erstem Sumo-Ringer, alle sechs Großturniere eines Jahres zu gewinnen.

Aber Sumo ist auch Kult und Ritual, eine Übung für die Götter. Deshalb stieß es dem japanischen Publikum von Anfang an sauer auf, dass Asashoryu sich nicht immer so würdig benahm, wie es von einem Champion erwartet wurde.

Die Boulevard-Zeitungen kritisieren ihn als rebellisch und stur. Wenn er einen Gegner aus dem Ring drängte, ließ er die vorgeschriebene stoische Maske fallen, reckte temperamentvoll die Faust in die Luft. Er legte sich auch mit dem Schiedsrichter an. Einen Konkurrenten rempelte er nach der Niederlage um, zog ihm am Haarschopf, raufte mit ihm im Umkleideraum und zertrümmerte ihm den Außenspiegel am Auto. Gerne kam er zu spät zum Training.

Als erster Champion wurde Asahsoryu wegen schlechten Benehmens disqualifiziert. Einmal musste er zwei Turniere aussetzen, weil er lieber in der Mongolei Fußball spielen ging, als in Japan fürs Sumo zu werben.

Die Empörung über ihn hing auch damit zusammen, dass zum ersten Mal ein Ausländer diesen urjapanischen Sport dominierte. Denn Asashoryu stammt nicht aus den Bergen Nordjapans, der Heimat der Sumo-Ringer, sondern aus der Grassteppe der Mongolei.

Der Ring-Rüpel prägte zudem einen neuen Kampfstil. Mit anfangs 140 Kilogramm war er viel leichter als die letzte Sumo-Generation mit bis zu 250 Kilogramm Gewicht. Er hat mehr Kreuz und weniger Bauch, ist athletischer, wendiger, austrainierter und vor allem ehrgeiziger.

So machte er das Sumo sportlich interessanter – und gab dem japanischen Nationalsport auch sonst ein bisschen Farbe. Viele Fans werden ihn daher trotz seines „unwürdigen“ Benehmens vermissen.

Foto: flickr / davidgsteadman

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