“Schwarze” Unternehmen werden bloßgestellt

18. Mai 2017 von  

"Schwarze" Unternehmen werden bloßgestelltTokio (JAPANMARKT/fr) – Erstmals hat das japanische Arbeitsministerium jene Unternehmen landesweit öffentlich gemacht, die gegen das Arbeitsgesetz verstoßen haben. Ein Schwerpunkt sind exzessiv viele Überstunden. Die Bloßstellung soll die Manager dazu bringen, die Missstände abzustellen. Am Pranger stehen auch prominente Namen.

Ungesetzlich viele Überstunden

334 Unternehmen – samt ihren Verstößen und nach Präfekturen sortiert – stehen auf der Liste im Internet. Alle Firmen sind zwischen Oktober 2016 und März 2017 mit dem Arbeitsgesetz in Konflikt geraten – u.a. wegen ungesetzlich vieler Überstunden, der Nichtzahlung von Löhnen und Verstößen gegen die Arbeitssicherheit.

Wer seine Mitarbeiter zu sehr zeitlich belastet, wird in Japan seit einigen Jahren als „schwarzes Unternehmen“ gebrandmarkt. Unter Studenten zirkulieren Listen mit den Namen dieser Unternehmen, damit man sich dort nicht bewirbt. Seit 2012 gibt es sogar einen jährlichen Negativpreis für den schlimmsten Firmensünder.

Besserung führt zu Streichung

Es ist das erste Mal, dass das Arbeitsministerium selbst die ertappten Unternehmen auf diese Weise anprangert. Bisher wurden die Namen nur regional bekannt gemacht. Doch nun greift die Regierung ein, weil sie die exzessiven Arbeitszeiten eindämmen will, damit die Japaner mehr Zeit zum Konsumieren bekommen.

Auf der Liste des Arbeitsministeriums stehen bekannte Adressen: Beim PR- und Werbe-Konzern Dentsu und einer Tochter des Elektronikriesen Panasonic zum Beispiel wurde die Zahl der Überstunden moniert. Die japanische Post verschwieg einen Arbeitsunfall. 20 Bauunternehmen benutzten Gerüste ohne Geländer.

Das Arbeitsministerium rechtfertigt die Veröffentlichung mit dem öffentlichen Wohl. Sobald der Missstand abgestellt sei, werde der Unternehmensname binnen eines Jahres von der Liste entfernt, teilte das Ministerium mit. Die Liste wird jeweils monatlich auf den neuesten Stand gebracht.

Die Liste (auf Japanisch) steht hier.

Foto: flickr/peter-rabbit CC BY-NC 2.0

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