Als die Tamagotchi nach Deutschland kamen

12. Mai 2017 von  

Als die Tamagotchi nach Deutschland kamenTokio (JAPANMARKT/fr) – Tamagotchi waren die ersten virtuellen Haustiere für jedermann. Auch in Deutschland war dieses revolutionäre Spielzeug aus Japan ein Riesenerfolg. Heute vor 20 Jahren kamen die Geräte dort auf den Markt.

Virtuelles Haustier

Das Kunstwort Tamagotchi setzt sich aus den japanischen Wörtern Tamago (Ei) und Watchi (Uhr) zusammen. Das schlüsselanhängergroße Plastikei hat nur einen winzigen Bildschirm und eine einfache Animation mit wenigen Bildpunkten. Aber es kam in einer Zeit auf den Markt, als sich die Kinder im Klassenzimmer noch Zettelchen schrieben statt Whatsapp-Nachrichten zu schicken. Da sorgte das kleine Spielzeug für 29 DM für angenehme Ablenkung.

Es geht darum, ein Küken zu füttern, mit ihm zu spielen, es wachsen und möglichst lange leben zu lassen – genauso wie ein richtiges Haustier. Das war auch die ursprüngliche Idee von Aki Maita: Die 30-jährige Mitarbeiterin des Spielekonzerns Bandai wollte japanische Kinder in der Großstadt mit Hilfe des Geräts den Alltag mit einem Haustier erleben lassen, nur eben ohne Verbindlichkeit und Kosten.

Schlüpfen, Piepen, Sterben

Der Erfolg der künstlichen Spielgefährten schreckte damals Eltern und Psychologen in Deutschland auf. Denn wenn die Elektrovögelchen Hunger bekamen, krank wurden oder spielen wollten, piepten sie. Bald piepte es überall – in Klassenräumen, Restaurants, in U-Bahnen. In einigen Schulen wurden die Geräte deshalb verboten.

Außerdem hatte das Spielzeug eine Seite, die Erwachsene grausam fanden: Ohne ausreichende Pflege und in höherem Alter starben die Tierchen. Das Rekordalter soll 30 Tage gewesen sein. In den Tamagotchi für westliche Länder flatterte dann ein Engelchen über den Schirm. (In Japan erschien ein Geist, siehe Video.) Aber ein Druck auf die Reset-Taste reichte, dann schlüpfte ein neues Vögelchen.

Der Hype war weltweit und auch in Deutschland nach einiger Zeit vorbei. Danach versuchte Bandai mit neuen Modellen mehrmals ein Comeback. Anlass für den jüngsten Versuch vor Weihnachten 2016 war das 20-jährige Verkaufsjubiläum in Japan. Aber solche virtuellen Haustiere gibt es heute in vielen Varianten und von vielen Anbietern. Zudem kann man das (kostenpflichtige) Bandai-Spiel auch auf das Smartphone laden.

Foto: Screenshot Bandai-Werbevideo (Quelle)

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