Krebsfrüherkennung mit Würmern wird automatisiert

11. Mai 2017 von  

Krebsfrüherkennung mit Würmern wird automatisiertTokio (JAPANMARKT/fr) – Weltweit suchen Forscher nach Methoden, um die Entstehung von Krebs so frühzeitig und zuverlässig wie möglich zu erkennen. Das würde die Chancen einer Heilung deutlich erhöhen. Japanische Forscher setzen dabei auf Würmer.

Früherkennung ohne Gewebeentnahme

„Flüssige Biopsie“ heißt die Nachweismethode, bei der statt einer schmerzhaften Gewebeentnahme ein paar Tropfen Blut biochemisch auf Erbsubstanz-Teilchen von Krebszellen untersucht werden. Solche Tumormarker verraten Krebs lange vor dem Auftreten von Symptomen.

Das Biotechnologie-Startup Hirotsu Bio Science aus Japan setzt stattdessen auf einen Tropfen Urin und Fadenwürmer für die Früherkennung. Auf dieser Methode basiert ein Diagnosegerät von Hitachi, das zusammen mit dem Jungunternehmen entwickelt und nun vorgestellt wurde.

Das Verfahren „N-Nose“ stammt von Takaaki Hirotsu, der an der Universität Kyushu lehrt. Er hat als Teil eines Forscherteams vor einigen Jahren entdeckt, dass Fadenwürmer (Nematoden) von dem „Geruch“ von Krebs in Urin mit großer Genauigkeit angezogen werden. Zudem können die Tierchen verschiedene Arten von Krebs „erkennen“.

Bei diesem Krebstest werden 50 bis 100 der etwa ein Millimeter langen Fadenwürmer in der Mitte einer Petrischale platziert. Auf ihren Rand wird der zu untersuchende Urin gestrichen. Im Fall von Krebs bewegen sich die Würmer zum Urin hin, ansonsten davon weg.

Die Nematoden reagieren möglicherweise auf bestimmte Eiweiße. So entsteht bei Krebs der Bauchspeicheldrüse, der Lunge und der Eierstöcke mehr Mesothelin. Als Krebsmarker wird das Eiweiß daher beim sogenannten Elisa-Test genutzt, der aber aufwendig und teuer ist.

Früherkennung für wenige 1000 Yen

Die japanische Erkennungsrate von knapp 96 Prozent ist höher als bei den bisher benutzten Tumormarkern. Die Fadenwürmer können auch Krebs in den frühen Stadien 0 und 1 identifizieren. Diese Leistungen überzeugten Hitachi, den Test zu automatisieren.

Mit der manuellen Methode lassen sich am Tag drei bis fünf Urinproben je Labormitarbeiter untersuchen. Das Diagnosegerät, das 2020 einsatzbereit sein soll, steigert die Testzahl pro Tag erheblich. Da Fadenwürmer billig sind, soll ein Test nur noch einige 1000 Yen kosten.

Die neue Methode der Früherkennung hat zwei Nachteile: Erstens lässt sich mit dieser Untersuchung nicht herausfinden, welches Organ an Krebs erkrankt ist. Zweitens wissen die Forscher bisher nicht, auf welche Stoffe im Urin die Nematoden eigentlich reagieren.

Schon vor zwei Jahren haben sie mitgeteilt, dass sie einige mögliche Substanzen identifiziert hätten. Seitdem versuchen sie bei Reihentests mit Hilfe der Nematoden herauszufinden, welche dieser Kandidatenstoffe tatsächlich von Krebszellen stammen könnten.

Foto: Fadenwurm (Wikipedia Gemeinfrei)

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