Schnellrestaurants unter Druck

24. April 2017 von  

Schnellrestaurants unter DruckTokio (JAPANMARKT/fr) – Keine Branche florierte in den vergangenen Jahrzehnten in Japan so wie die des Fast-Foods. Die Schnellrestaurant-Ketten boomten. Jetzt geraten sie jedoch von verschiedenen Seiten unter Druck.

Demografie begünstigt Fast Food

Billigketten wie Yoshinoya (Reis mit Rindfleisch) oder Yudetaro (Soba-Nudeln) sind lange Zeit kräftig gewachsen. Mit ihren Niedrigpreisen reagierten sie perfekt auf die leichte Deflation und die Sparsamkeit der japanischen Businessmen und Zeitarbeiter.

Ihre Geschäfte wurden durch einen weiteren Trend begünstigt: Mit der wachsenden Zahl von Single-Haushalten infolge von Überalterung und verzögertem Heiratsalter sowie der Verbreitung von Doppelverdiener-Haushalten wird in Japan immer weniger zuhause gekocht.

Mini-Supermärkte als Konkurrenz

Aber den Schnellrestaurants ist ein mächtiger Rivale herangewachsen: Die allgegenwärtigen Mini-Supermärkte, die Konbini, bieten meist über Nacht zubereitete Fertiggerichte wie Bento-Boxen, Onigiri-Reisbälle, Nudeln, Salate und Sandwiches und dies in einer größeren Auswahl als Restaurants.

Praktischerweise kann man sich viele dieser Mahlzeiten im Konbini gleich aufwärmen lassen. Immer mehr Filialen richten inzwischen einen Sitzbereich ein, wo die Kunden ihr Essen gleich verzehren können. Das finden viele Japaner bequemer als einen Restaurantbesuch.

Auf die Herausforderung reagieren die Billigketten, indem sie ihre Restaurants neu gestalten, um attraktiver als die Essecken in den Konbini zu werden. Laut der Finanzzeitung Nikkei wollen die großen Kettenbetreiber insgesamt ein Drittel ihrer 6.000 Filialen modernisieren.

Verbraucher mögen Niedrigpreise

Doch das Problem seien die Preise, schreibt das Magazin Economist. Die Verbraucher hätten sich an Niedrigpreise von wenigen 100 Yen für eine einfache Restaurant-Mahlzeit gewöhnt. Aber wegen der steigenden Löhne in der Gastronomie müssten die Ketten eigentlich die Preise erhöhen.

Ihr nächster Stolperstein ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf zehn Prozent im Herbst 2019. Nahrungsmittel werden voraussichtlich davon ausgenommen, nicht aber Essenslokale. Das verschafft Fast Food aus dem Konbini einen Preisvorteil gegenüber Schnellessen im Restaurant.

Foto: Angebot von Soba-Fast-Food-Kette Yudetaro (Screenshot Yudetaro-Webseite)

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