Und da waren es nur noch 39…

20. April 2017 von  

Und da waren es nur noch 39...Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die japanische Atomaufsicht NRA hat die Stilllegung von fünf Atomkraftwerken genehmigt. Die Zahl der Reaktoren ist seit der Fukushima-Katastrophe nun um mehr als ein Viertel geschrumpft. Aber damit fangen die Probleme erst an.

Nachrüstung rechnet sich nicht mehr

Zwei Atommeiler von Kansai Electric Power in Mihama und jeweils ein Reaktor von Japan Atomic Power in Tsuruga, Chugoku Electric Power in Shimane und Kyushu Electric Power in Genkai dürfen vom Netz gehen. Den Antrag auf Stilllegung hatten die Stromversorger schon 2015 gestellt.

Der Grund: Die vorgeschriebene Nachrüstung von Sicherheitstechnik rechnet sich angesichts ihres hohen Betriebsalters nicht mehr. Es liegt teilweise deutlich über dem Limit von 40 Jahren. Zwar wäre eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung auf 60 Jahre möglich, aber die teuren Umbauten lassen sich über die verbliebene Restlaufzeit kaum abdecken.

Damit ist die Zahl der betriebsbereiten Reaktoren in Japan von 54 vor der Fukushima-Katastrophe um mehr als ein Viertel auf 39 gesunken. In dieser Rechnung sind auch die sechs Atommeiler des havarierten Kraftwerkes Fukushima Daiichi enthalten.

Zieht man noch die vier Atommeiler im AKW-Komplex Fukushima Daini zehn Kilometer südlich von Fukushima Daiichi ab, denen wegen der Ablehnung der lokalen Regierungen und der Anwohner kaum Chancen auf Weiterbetrieb nachgesagt werden, bleiben Japan noch 35 Atomreaktoren – ein Rückgang um mehr als ein Drittel.

Kein Zwischen- und Endlager in Japan

Jetzt steht Japans Energiebranche vor mehreren neuen Herausforderungen: Erstens hat man keine Erfahrung mit der Stilllegung von Atomkraftwerken. Eine Kooperation mit dem Ausland ist wohl unvermeidlich. Der Baukonzern Shimizu zum Beispiel hat sich bereits mit der britischen Cavendish Nuclear auf eine technische Zusammenarbeit verständigt.

Zweitens hat Japan bisher weder ein Zwischen- noch ein Endlager für radioaktive Abfälle. Das gilt für die abgebrannten Brennelemente, die in den stillzulegenden Reaktoren lagern, aber das gilt auch für den unterschiedlich verstrahlten Bauschutt, der beim Abbau der Anlagen anfallen würde. Je Reaktor wären dies mehr als 5.000 Tonnen.

Drittens dürften die Stromversorger nicht genügend Rücklagen für die Abbaukosten gebildet haben. Bisher schätzen sie den Aufwand für die jetzt genehmigten Stilllegungen auf 180 Milliarden Yen (1,6 Milliarden Euro), aber ausländische Experten rechnen eher mit einem Aufwand von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro – für einen einzelnen Reaktor.

Foto: AKW Shimane (Wikipedia CC BY 3.0)

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