Frauen und Rentner bremsen Mangel an Arbeitskräften

10. April 2017 von  

Frauen und Rentner bremsen Mangel an ArbeitskräftenTokio (JAPANMARKT/fr) – Der demografische Wandel in Japan hat eine Verknappung von Arbeitskräften zur Folge. Allerdings gibt es zwei starke Gegentrends.

Erwerbsfähige Bevölkerung schrumpft

In Japan herrscht mit einer Arbeitslosenquote von nur 2,8 Prozent im Februar nicht nur de facto Vollbeschäftigung, sondern mit einem Angebot von 143 Stellen je 100 Bewerber bereits ein deutlich sichtbarer Mangel an Arbeitskräften. Besonders betroffen sind die Bereiche Logistik, Bau und Einzelhandel sowie Dienstleister von der Altenpflege bis zur Gastronomie.

Die kritische Lage ist eine Folge der alternden Gesellschaft in Japan. Seit dem Hochpunkt von 1997 ist die erwerbsfähige Bevölkerung (zwischen 15 und 64 Jahren) binnen zwei Jahrzehnten von 87 Millionen um fast zwölf Prozent auf 76,2 Millionen gesunken, also im Schnitt um über 500.000 jährlich.

Zahl der Beschäftigten weniger gesunken

Jedoch ist die Zahl der Beschäftigten nicht im gleichen Ausmaß gesunken, nämlich nur um knapp zwei Prozent auf zuletzt 64,8 Millionen. Dafür sind zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen arbeiten mehr Rentner. Die Zahl der erwerbstätigen Japaner im Alter von 60 Jahren und darüber stieg allein von 2000 bis 2013 um mehr als ein Drittel auf 12,5 Millionen.

Zum anderen arbeiten mehr Frauen. Im Dezember waren laut UBS Japan 68,6 Prozent der Japanerinnen erwerbstätig. Ihre Erwerbsquote ist in anderthalb Jahrzehnten um 9 Punkte gestiegen. Viele davon arbeiten allerdings relativ wenig, vor allem um unter der Steuerfreibetragsgrenze für Ehefrauen von rund einer Millionen Yen jährlich zu bleiben.

Jedoch sind beide Trends schon recht fortgeschritten, so dass bei Rentnern und Frauen nur noch geringe Beschäftigungsreserven schlummern. Daher droht sich der Mangel an Arbeitskräften in den nächsten Jahren zu verschärfen. Laut offizieller Prognose wird die Zahl der Erwerbstätigen bis 2030 jedenfalls um fast zehn Millionen auf 55,6 Millionen zurückgehen.

Foto: flickr/Richard Schneider CC BY-NC 2.0

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