Vier Herausforderungen im AKW Fukushima

13. März 2017 von  

Vier Herausforderungen im AKW FukushimaTokio (JAPANMARKT/fr) – Ein Besuch von JAPANMARKT Online der größten und teuersten Baustelle Japans – dem AKW Fukushima Nr. 1 – zeigt, dass Betreiber Tepco und Regierung vor vier Herausforderungen stehen.

Stark gesunkene Umgebungsstrahlung

Eine Filtermaske für Mund und Nase, ein Kopftuch, ein Helm, Stoffhandschuhe und zwei Paar Socken übereinander – mehr Schutz braucht der gewöhnliche Besucher des AKW Fukushima nicht mehr. Nur noch wenige Arbeiter müssen Gesichtsmasken und weiße Kunststoffanzüge tragen, seitdem fast alle freien Flächen auf dem Gelände mit Spraybeton versiegelt wurden.

“Die Strahlung ist jetzt so niedrig wie im Tokioter Einkaufsviertel Ginza”, versichert Tepco-Manager Yuichi Okamura. Der Nuklearingenieur leitete vor sechs Jahren den Einsatz einer Hochleistungspumpe des deutschen Herstellers Putzmeister bei der Kühlung von abgebrannten Brennelementen in Reaktor 4. Doch nahe der Reaktoren schlagen die Dosimeter schrillend Alarm. Dort darf man nicht lange bleiben.

Größte und teuerste Baustelle Japans

“Wir kämpfen mit vier Problemen”, zählt Tepco-Mann Okamura auf: “Die Strahlung auf dem Gelände verringern, das einströmende Grundwasser stoppen, die verbrauchten Brennstäbe herausholen und den geschmolzenen Brennstoff bergen.” An allen vier Fronten gibt es immerhin Fortschritte zu melden.

Erstens ist die Strahlung auf dem Gelände stark gesunken, wie der Verzicht auf hermetische Schutzkleidung zeigt. Aber nahe den Reaktoren und in den Turbinengebäuden sind die Werte für Menschen weiter viel zu hoch. Vor allem über den zerstörten Dächern von Reaktor 1 und 3 können sich Menschen nur kurz aufhalten.

Zweitens wurde der Zufluss von Grundwasser in die Keller der Reaktor- und Turbinengebäude von 400 Tonnen auf 150 Tonnen täglich verringert. Dort mischt es sich mit ausgelaufenen radioaktivem Kühlwasser. Die Verringerung wurde vor allem mit Hilfe einer “Eismauer” von 1,4 Kilometer Länge und 30 Meter Tiefe rings um die vier Reaktoren erreicht.

Aber an fünf Stellen bleibt die Mauer bisher noch offen, weil wegen des Prinzips der kommunizierenden Röhren die strahlende Brühe sonst im Untergrund zu versickern droht.

Unsicherheit über Brennstoff-Verbleib

Drittens dauert die Bergung der verbrauchten Brennstäbe aus den Abklingbecken oberhalb der Reaktorbehälter in den Atommeilern 1, 2 und 3 länger als geplant. Über Reaktor 3 wird ein neues Dach mit integriertem Hebekran errichtet. Die Bergung von fast 600 Brennelementen ist nur ferngesteuert möglich. Bei Reaktor 1 werden die Vorbereitungen für den Abtransport der verbrauchten Brennstäbe noch bis 2021 dauern.

Viertens wollen Tepco und die Regierung schon im Sommer entscheiden, mit welchen Technologien der geschmolzene Brennstoff aus den Reaktoren 1, 2 und 3 herausgeholt werden soll. Das Problem: Der Einsatz von Robotern und Kameras konnte bisher keinen Aufschluss darüber geben, wohin die Brennstoff-Lava aus den Kernschmelzen eigentlich geflossen ist.

Selbst AKW-Chef Shunji Uchida kann seine Skepsis nicht verstecken. Roboter und Kameras hätten schon wertvolle Bilder geliefert, sagt Uchida: “Aber es ist immer noch unklar, was im Inneren wirklich los ist.”

Foto: Geschmolzener Brennstoff hat sich durch ein Plattformgitter im äußeren Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 gebrannt (Tepco)

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