Mitsubishi Heavy lässt Toshiba im Regen stehen

17. Februar 2017 von  

Mitsubishi Heavy lässt Toshiba im Regen stehenTokio (JAPANMARKT/fr) – Mitsubishi Heavy Industries lehnt jede Hilfe im Atombereich für den angeschlagenen Rivalen Toshiba ab. Dafür nennt Präsident Shunichi Miyanaga vor allem einen technologischen Grund.

Kooperation ohne Synergien

In einem Interview mit der Financial Times wandte sich Miyanaga gegen eine Zusammenlegung der Atomgeschäfte von MHI und Toshiba, wie sie von einigen Analysten vorgeschlagen wird. Weder habe er mit Toshiba gesprochen noch gebe es Druck in diese Richtung von der japanischen Regierung, sagte er.

Als größte Hürde für eine Kooperation sieht der MHI-Chef die unterschiedlichen Technologien. Mitsubishi Heavy hat 2007 ein Joint Venture mit der französischen Areva namens “Atmea” gebildet. Entwickelt wurde der Druckwasserreaktor Atmea 1. Dabei dient Wasser als Moderator im Reaktorbehälter, ohne zu sieden.

Dagegen haben Toshiba und ihre US-Tochter Westinghouse den relativ kompakten Siedewasserreaktor AP1000 entwickelt. Der erste Reaktor dieses Typs geht in diesem Jahr in einem Atomkraftwerk in China in Betrieb. Eine Kooperation zwischen MHI und Toshiba brächte also keine Synergieeffekte.

Leiden an der Auftragsflaute

Weitere Gründe sind laut Miyanaga kartellrechtliche Bedenken, weil die Partner der Japaner – Westinghouse und Areva – die weltgrößten AKW-Hersteller sind, sowie vertragliche Vereinbarungen zwischen MHI und den Franzosen. “Wir müssen die gemeinsame Entwicklung von Atmea mit Areva respektieren”, betonte Miyanaga.

Wenn es nach der Regierung ginge, sollten Toshiba, MHI und Hitachi ihre Nuklearsparten zusammenlegen (JAPANMARKT Online berichtete). Aber MHI und Hitachi leiden unter der Auftragsflaute nicht so stark, weil man Areva und General Electric als Partner hat.

Dagegen besitzt Toshiba den US-Hersteller Westinghouse zu 87 Prozent. Beim Kauf im Jahr 2006 hatte Toshiba MHI überboten. Vermutlich ist Mitsubishi heute sehr erleichtert, sich diesen Klotz damals nicht ans Bein gebunden zu haben.

Foto: Druckwasserreaktor Atmea 1 (Quelle: Atmea)

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