Nintendo spielt mit dem Feuer

6. Februar 2017 von  

Nintendo spielt mit dem FeuerTokio (JAPANMARKT/fr) – Das zweite Smartphone-Spiel von Nintendo setzt bei der Monetarisierung auf japanische Elemente. Allerdings nicht ohne Risiko: Denn das Ganze hat ein bisschen den Charakter von Glücksspielen mit Geld.

Beliebtes Gacha-Geräusch

In Japan werden die weltweit höchsten Einnahmen pro Spieler verzeichnet, obwohl auch dort die meisten Spiele kostenlos sind. Aber die Einnahmen hängen mit dem süchtig machenden Glücksspielcharakter bestimmter Spiel-Elemente zusammen.

Bei vielen kostenlosen Smartphone-Spielen kann man echtes Geld einsetzen, um Spiel- bzw. Wartezeiten zu verkürzen oder Spieler, Waffen und andere Gegenstände zu kaufen. Aber bei vielen japanischen Spielen werden die In-Spiele-Käufe dadurch spannender gemacht, dass der Spieler nicht genau weiß, was er oder sie für das Geld bekommt.

Diese Spielregel nennt sich “Gacha”. Gacha beschreibt auf Japanisch das Geräusch, das bestimmte Automaten machen, wenn sie eine Plastikkugel mit einem Gewinn oder einem gekauften Gegenstand ausspucken. Nintendo hat Gacha bisher nicht eingesetzt und damit die Eltern von spielenden Kindern beruhigt.

Ethisch fragwürdige Regel

Denn das Gacha-Element gilt als ethisch fragwürdig. Vor fünf Jahren musste die Regierung einschreiten und bestimmte Gacha-Strategien wie “Complete Gacha” verbieten. Dabei konnten die Spieler ein Set von Karten für eine wertvolle Belohnung sammeln. Manche Spieler, darunter Minderjährige, gaben Hunderte von Euro aus, um an die letzte Karte des Sets zu kommen.

Für sein erstes Smartphone-Spiel verlangt der Spielekonzern aus Kyoto 10 Dollar, damit die Spieler alle Ebenen spielen können. Das erwies sich offenbar als Flop, obwohl es ein Spiel mit der beliebten Figur Super Mario war. Viele Spieler beschwerten sich darüber, dass man nicht lange spielen konnte, bevor die Bezahl-Schranke erreicht wurde.

Nun versucht es Nintendo bei seinem zweiten Smartphone-Spiel “Fire Emblem” mit der Gacha-Methode, um Geld zu verdienen. Die Börse reagierte heftig: Der Kurs von Nintendo sprang am Freitag um über sechs Prozent nach oben. Offenbar erhoffen sich die Anleger vom Gacha-Effekt steigende Einnahmen für Nintendo.

Eigene Spiele-Währung

Die Spieler können bei Fire Emblem die Spiel-Währung “Orb” durch Kämpfe gewinnen oder mit Geld kaufen. Die Preise für einzelne Aktionen liegen zwischen 1,99 Dollar und 74,99 Dollar. Mit den Orbs kann man zum Beispiel Spielefiguren für seine Kampfgruppe herbeirufen. Hier bedeutet Gacha, dass man vorher nicht weiß, welche Figuren man bekommt. So wird zu immer neuen Käufen verführt.

Japanische Spieler sind mit diesem Strategieelement sehr vertraut, westliche Spieler dagegen nicht. Daher ist schwer einzuschätzen, wie Fire Emblem außerhalb von Japan aufgenommen wird und was es Nintendo an Einnahmen bringt. Die Faustregel für Japan: Weniger als 10 Prozent der Spieler generieren mehr als 90 Prozent der Einnahmen.

Foto: Nintendo

Kommentare

Bitte schreiben Sie hier Ihren Kommentar...
Hier gibt es mehr Informationen, falls Sie ein Profilbild mit ihrem Kommentar anzeigen möchten gravatar!