Toshiba muss Chip-Sparte versilbern

27. Januar 2017 von  

Toshiba muss Chip-Sparte versilbernTokio (JAPANMARKT/fr) – Das verlustreiche US-Nukleargeschäft bedroht die Existenz des japanischen Mischkonzerns Toshiba. Aber der Börsengang und Teilverkauf der Chipsparte können das große Bilanzloch nur notdürftig stopfen.

Fehleinschätzung nach Fukushima

Die AKW-Katastrophe von Fukushima hat Toshiba viele Aufträge für die Sanierung der vier zerstörten Reaktoren beschert. Das dürfte dazu beigetragen haben, dass man am Nukleargeschäft nicht nur festhielt, sondern es sogar ausbaute. Der Preis für diese Fehleinschätzung ist hoch.

Eine Abschreibung auf explodierte Projektkosten eines kürzlich zugekauften US-Dienstleisters von voraussichtlich bis zu 700 Milliarden Yen (5,7 Milliarden Euro) zwingt Toshiba dazu, das letzte Tafelsilber zu verhökern, nämlich die Sparte für NAND-Speicherchips, die 2015 drei Viertel des Betriebsgewinns generierte.

Der Verkauf von bis zu 20 Prozent dieses Chip-Geschäfts dürfte genug einbringen, um den Nettowert über Null zu halten und dadurch den Verlust der Börsennotierung zum Beginn des neuen Geschäftsjahres zu vermeiden. In der Zukunft braucht diese Sparte jedoch neue Milliarden an frischen Investitionen, um im Wettbewerb mit Samsung Electronics zu bestehen.

Chip-Sparte erfordert Investitionen

Dadurch wird Toshiba in die paradoxe Situation geraten, weitere Teile der Chip-Sparte verkaufen zu müssen, um ihren mittelfristigen Geschäftswert zu erhalten. Eine Kapitalerhöhung in der einen oder anderen Form ist daher wohl unvermeidlich, entweder durch eine Aktienemission oder die Umwandlung von Krediten in Vorzugsaktien.

Auslöser für die Krise sind explodierte Projektkosten des AKW-Dienstleisters CB&I Stone & Webster, den Toshiba Ende 2015 übernommen hatte. Damals erschien dies als ein schlauer Schritt, weil CB&I im Auftrag der eigenen US-Tochter Westinghouse Reaktoren nach dem Fertigbauprinzip errichtete. Inzwischen weiß man es besser.

Foto: NAND-Speicherchips (Toshiba USA)

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