AKW Fukushima: Eiswall nicht ohne Risiken

16. Februar 2016 von  

AKW Fukushima: Eiswall hat RisikenTokio (JAPANMARKT/fr) – Die sogenannte Eiswand rings um die vier Reaktoren im AKW Fukushima geht vorläufig nur teilweise in Betrieb. Das hat die japanische Atomaufsicht NRA entschieden. Damit droht das Prestigeprojekt im Kampf gegen das radioaktive Wasser im AKW Fukushima als teurer Flop zu enden.

Schwieriges Wasser-Management

Die Eiswand verspricht eine verführerisch einfache Lösung für das riesige Wasserproblem in Fukushima: Eine Bodenfrostung um die vier Reaktoren herum soll dem Grundwasser den Weg in die Untergeschosse der Kraftwerke versperren und es um die Gebäude herum ins Meer lenken.

Bislang dringen mehrere hundert Tonnen Grundwasser täglich über beschädigte Leitungen, Mauern und Röhren in die Reaktorkeller ein und vermischen sich dort mit dem radioaktiv kontaminierten Wasser, das bei der Kühlung des geschmolzenen Brennstoffs aus den Reaktoren herausläuft.

Damit diese strahlende Brühe nicht ins Meer sickert, wird sie abgepumpt, gefiltert und auf dem AKW-Gelände gelagert. Inzwischen stehen dort über 1 000 Speichertanks mit 750 000 Tonnen Wasser. Zuletzt musste ein Vogelschutzgebiet abgeholzt werden, um Platz für neue Tanks zu schaffen.

Bedenken von der Atomaufsicht

Die Eiswand würde nach Einschätzung von Tepco das einfließende Grundwasser auf zehn Tonnen täglich verringern und dadurch viel weniger neue Speichertanks erfordern. Dafür wurden auf einer Länge von 1,5 Kilometern im Abstand von 1 Meter knapp 1 600 Rohre jeweils bis in 30 Meter Tiefe in den Boden getrieben. Ein riesiges Aggregat hinter Reaktor 1 pumpt Tiefkühlflüssigkeit durch die Rohre. Nach etwa zwei Monaten ist der Boden rings um die Rohre so hartgefroren, dass kein Wasser mehr durchkommt. Die Regierung hat bisher 270 Millionen Euro für das Projekt bereitgestellt.

Anders als Tepco und das finanzierende Industrieministerium METI beurteilte die japanische Atomaufsicht NRA die Erfolgsaussichten von Anfang an skeptisch. Die Experten befürchten als Folge der Isolierung einen fallenden Grundwasserspiegel innerhalb der Eiswand. Dadurch würde das strahlende Wasser in den Reaktorkellern nach unten gezogen und in der Tiefe versickern. Tatsächlich kam es bei mehreren Tests an einigen Stellen zu einem unerwartet großen Fall des Grundwasserspiegels. Tepco konnte Richtung und Geschwindigkeit des Wassers nicht feststellen. Das bestätigte die Atomaufsicht in ihrer vorsichtigen Haltung.

Als Kompromiss hat sich Tepco am Montag mit den Aufsehern darauf geeinigt, zunächst nur die Eiswand auf der Meerseite in Betrieb zu nehmen. Zusammen mit einer Betonmauer macht dies einen unbemerkten Abfluss von radioaktivem Wasser in den Pazifik unwahrscheinlicher. Die eigentlich angestrebte Funktion der Eismauer wird damit jedoch nicht erreicht. Daher will Tepco bald auch die restlichen Abschnitte der Mauer schrittweise in Betrieb nehmen und dabei ausreichende Informationen über den Wasserfluss sammeln. Dem will die NRA bisher nicht zustimmen, weil man bei Problemen nicht schnell reagieren könne: Das Auftauen der Mauer dauert nämlich zwei Monate.

Foto: Tepco

Kommentare

Bitte schreiben Sie hier Ihren Kommentar...
Hier gibt es mehr Informationen, falls Sie ein Profilbild mit ihrem Kommentar anzeigen möchten gravatar!