Erste Massenproduktion von iPS-Stammzellen in Kyoto

30. April 2014 von  

Erste Massenproduktion von iPS-Stammzellen in KyotoTokio (JAPANMARKT/mf)– Die Forschung an Stammzellen in Japan ist kürzlich durch den Skandal um angebliche Manipulationen bei einer neuen Methode der Herstellung in die Schlagzeilen geraten (JAPANMARKT Online berichtete). Doch die Zellforscher könnten diesen Fauxpas mit einem anderen Durchbruch ausbügeln. Forscher der Universität Kyoto und von Nissan Chemical Industries haben nämlich einen Weg gefunden, die Produktion von iPS-Stammzellen drastisch zu verbilligen. Damit lässt sich die regenerative Medizin besser realisieren.

Erhöhte Überlebensrate

Diese induzierten pluripotenten Stammzellen wurden zuerst in Japan produziert. Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto erhielt dafür vor zwei Jahren den Nobelpreis. Diese iPS-Zellen werden aus ausgewachsenen Zellen durch die Zugabe von bestimmten Proteinen entweder auf Glasplatten oder in Flüssigkeiten hergestellt.

Doch die Überlebensrate der iPS-Zellen in Flüssigkeiten ist relativ gering, da sie sich miteinander verbinden und dadurch leichter absterben. Auch das Rühren der Flüssigkeit bekommt den Zellen nicht. Jetzt hat das Team von Professor Norio Nakatsuji von der Universität Kyoto eine Methode der billigen Massenproduktion gefunden, wie sie im US-Fachmagazin Stem Cell Reports berichten.

Kunststofffilter und Polymer

Danach lassen sich die Zellengrupen in der Flüssigkeit mit Hilfe von Kunststofffiltern in kleinere Einheiten zerlegen. Durch eine Wiederholung alle fünf Tage entstehen kleine, ebene Zellenklumpen, so dass weniger Zellen absterben. Ein Umrühren wird überflüssig, indem durch die Zugabe eines ungiftigen Polymers von Nissan Chemical die Zellen nicht mehr zu Boden sinken.

Die Kombination der beiden Methoden ermöglichte es, 100 Millionen pluripotente Stammzellen in einer einzigen Plastiktüte mit 0,2 Litern Kulturflüssigkeit herzustellen. Jetzt will man die neue Methode binnen drei Jahren so perfektionieren, dass man in 10 Litern 10 Milliarden Zellen eines einzelnen Patienten herstellen kann. Diese Menge wird für eine medizinische Behandlung benötigt.

Höhere Produktionseffizienz

Unterdessen verkündete ein anderes Forscherteam mit Nobelpreisträger Yamanaka die Entdeckung eines weiteren Proteins, mit dem sich fertige Zellen in ihren Ausgangszustand verwandeln lassen. Der Einsatz dieses Proteins hat die Produktionseffizienz von iPS-Zellen von 1 Prozent auf 20 Prozent gesteigert.

Die beiden Weiterentwicklungen sollten dabei helfen, die Kosten der regenerativen Medizin deutlich zu senken. Bisher werden die Behandlungskosten auf 10 bis 20 Millionen Yen (70.000 bis 140.000 Euro) geschätzt. Diese Kosten könnten nun auf mehrere Millionen Yen gesenkt werden. Zusammen mit den Firmen Fujifilm und Nipro wollen die Forscher der Universität Kyoto dieses Ziel in fünf Jahren erreichen.

Foto: iPS-Zellen (Stem Cell Reports)

FacebookTwitterGoogle+FlipboardEmpfehlen

Kommentare

Bitte schreiben Sie hier Ihren Kommentar...
Hier gibt es mehr Informationen, falls Sie ein Profilbild mit ihrem Kommentar anzeigen möchten gravatar!